Meine Freunde, deine Freunde

Das Internet ist schon toll, man erhält dort Informationen, immer die neusten Nachrichten, muss im Grunde das Haus gar nicht mehr verlassen, um dennoch an die ganze Welt angekoppelt zu sein. Es hat aber auch diverse Untiefen, und wer sich lange genug mit dem Internet (auch professionell) beschäftigt, wird fest stellen, dass es die “Realität” dort wirklich nicht mehr gibt. So kam jetzt ein Skandal zutage, der zeigte, dass all die Däumchen reckenden “gefällt mir” Fans einer Seite oder Firma mit großer Vorsicht zu genießen sind. Es flog auf, dass viele Firmen sich Fans gekauft hatten, natürlich, um im Internet besser da zu stehen.

Irgend wie ist das rührend, erinnert ein bisschen an längst vergangene Schulzeiten, wo man Mitschüler mit Brausepulver gewogen machte, sie dazu bewegte, die Stimme bei der nächsten Klassensprecherwahl für die eigene Person abzugeben. Brausepulver gegen Status, ein Mitsprachrecht, also auch damals schon ein Stück Macht. Der Skandal, über den auch Philipp Reisener berichtete, bezieht sich aber auf ein massenhaftes Phänomen, ein Kaufen von Freunden im großen Stil. Und ganz nebenbei bezieht er sich auf “neue Jobs”, die erst durch das Internet möglich werden. Neulich auf der Party: Und was machst du so beruflich? Ich gebe Stimmen für Firmen ab.

Dass manches dabei enttarnt wird, ist grundsätzlich gut und beruhigend, dennoch reißen solche Vorgänge eine Art Deckel über einem Höllenschlund auf. Was ist denn heute noch echt, was darf man – auch als Kunde – noch glauben? Stimmen die Kundenbewertungen, sind all die Sterne wirklich verdient? Es ist davon auszugehen, dass alles noch viel schlimmer, subtiler kommt. In Zukunft wird das Faken eben noch weiter perfektioniert, nach dem Motto, mal sehen, ob es einer merkt. Immer einen Schritt weiter sein, die Medien melken, wo man kann, das wird sicher für viele Internet “Player” eine echte Herausforderung sein.